Neben Förderungsangeboten wie dem BAföG oder Stipendien, gibt es eine weitere Möglichkeit an eine günstige Studienfinanzierung zu kommen, mit dem Bildungskredit. Dieser wird sowohl für volljährige Schüler als auch Studenten erbracht, die sich bereits in einem fortgeschrittenem Ausbildungsabschnitt befinden und das 36. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Gerade für Bewerber, denen beispielsweise kein BAföG zusteht, kann dies eine mögliche Lösung finanzieller Probleme sein, da der Bildungskredit die Ausbildung sichern oder beschleunigen soll und Aufwendungen abdeckt, die zum Beispiel nicht durch das BAföG erfasst werden.
Auf diese Weise kann ein Abbruch verhindert werden.

Vergabe von Bildungskrediten

Der Bildungskredit wird vom Bundesverwaltungsamt in Köln vergeben und hat das Ziel, eine Ausbildung oder ein Studium finanziell abzusichern und so einen erfolgreichen Abschluss zu gewährleisten. Hierfür arbeitet das Bundesverwaltungsamt mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zusammen, welche die Kredite zinsgünstig vergibt.

Um einen günstigen Zinssatz auch langfristig garantieren zu können, übernimmt der Bund eine Ausfallbürgschaft (Bundesgarantie), tritt also im Falle einer Zahlungsunfähigkeit seitens des Kreditnehmers als Bürge ein.

Bildungskredit beantragen

Der Antrag für einen Bildungskredit wird entweder schriftlich oder online beim Bundesverwaltungsamt gestellt. Da ein zeitlicher Zusammenhang bestehen muss, sollte der Antrag frühestens 4 Wochen vor dem Bewilligungszeitraum gestellt werden. Die Bildungskredit Hotline steht telefonisch unter 0221/758 4492 für Fragen zur Verfügung.

Der Antragsteller muss deutscher Staatsangehöriger sein oder einer der unter §8 BAföG genannten Gruppen angehören.

Bearbeitungsdauer

In der Regel braucht das Amt vier bis sechs Wochen bis zur Bewilligung. Anschließend wird der Bewilligungsbescheid zusammen mit einem Kreditangebot der KfW an den Kreditnehmer zur Unterschrift zugeschickt.

Der Bewilligungsbescheid muss innerhalb eines Monats angenommen und unterzeichnet an die KfW zurückgeschickt werden, da sonst der Förderungsbescheid ungültig wird.

Die Auszahlung erfolgt dann direkt über die KfW.

Höhe des Bildungskredites

Der Mindestbetrag beträgt 1.000 Euro betragen, maximal werden 7.200 Euro vergeben. Die Förderungsdauer beträgt, unabhängig der Ausbildungs- oder Studiendauer höchstens 24 Monate.

Monatliche Raten

Man kann zwischen Monatsraten von 100, 200 oder 300 Euro wählen. Die Raten bleiben bis zum Ende der vereinbarten Laufzeit gleich.

Einmalzahlungen

Für ausbildungsbezogene Aufwendungen können bis zu 3.600 Euro als Einmalzahlung ausgezahlt werden. Der Rest des Betrages wird in monatlichen Raten überwiesen. Lediglich die Grenze von insgesamt 7.200 Euro darf nicht überschritten werden.

Rückzahlung

Die Rückzahlung beginnt 4 Jahre nach der ersten Auszahlung und ist mit einer niedrigen monatlichen Rate von 120 Euro bemessen. Sondertilgungen in beliebiger Höhe jederzeit kostenfrei möglich und verringern die Laufzeit der Rückzahlung entsprechend. Können die Raten vom Kreditnehmer nicht bedient werden, so tritt die KfW an den Bund als Bürge heran. Der Bund wird den entsprechenden Betrag dann bei dem Kreditnehmer einfordern.

Zinsen für den Bildungskredit

Durch die Bundesgarantie ist ein niedriger Zinssatz für den Kredit möglich. Dieser liegt bei 1,33% effektivem Jahreszins (Stand: 01.04.2013). Die nächste Anpassung der Verzinsung erfolgt zum 01.10.2013.

Der Kreditbetrag wird von der ersten Auszahlung an verzinst, wird jedoch auch ohne Antrag bis zum Beginn der Rückzahlung gestundet.

Voraussetzungen für Schüler

Schüler müssen entweder einen berufsqualifizierenden Abschluss besitzen oder diesen mit der derzeitigen Ausbildung erreichen. Zudem ist eine Antragstellung nur möglich, wenn sie sich in den letzten beiden Jahren der Ausbildung befinden. Die Ausbildung muss an einer Ausbildungsstätte erfolgen, die im Rahmen des BAföG anerkannt ist.

Voraussetzungen für Studenten

Studenten müssen entweder die Zwischenprüfung erfolgreich bestanden haben oder durch eine schriftliche Erklärung ihrer Ausbildungsstätte nachweisen, dass eine Zwischenprüfung nicht vorgesehen ist, die üblichen Leistungen der ersten beiden Jahre jedoch erbracht sind.

Bei Bachelorstudiengängen reicht eine Erklärung wie oben beschrieben, allerdings nur für das erste Jahr. Antragsteller eines Konsekutiv-Studienganges müssen den ersten Teil ihrer Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben.

Des Weiteren ist berechtigt, wer über einen Abschluss eines grundständigen Studiengangs verfügt und zum Beispiel einen Master machen möchte.

Eine Förderung erfolgt nur bis zum Ende des 12. Semesters. Darüber hinaus nur, wenn eine Zulassung zur Abschlussprüfung vorhanden ist und die Prüfungsstelle bescheinigt, dass der Abschluss innerhalb des Förderzeitraumes erfolgt.

Bei Medizinstudenten reicht eine Bescheinigung, dass das Praktische Jahr als Zugangsvoraussetzung zum letzten Abschnitt der ärztlichen Prüfung zu absolvieren ist.

Wie auch bei Schülern, muss das Studium an einer Einrichtung erfolgen, die nach dem BAföG-Gesetz anerkannt ist.

Kombination mit anderen Förderungen

Eine Kombination mit anderen Finanzierungsangeboten ist ohne Weiteres möglich. So kann neben dem Bildungskredit auch BAföG in Anspruch genommen werden, um beispielsweise Aufwendungen wie Exkursionen, Bücher oder Sonstiges zu finanzieren, die nicht durch das BAföG abgedeckt werden.

Zudem bietet der Bildungskredit die Möglichkeit, Zweit- oder Folgeausbildungen zu finanzieren. Der Kredit kann jederzeit zum Monatsende kostenfrei gekündigt werden.

Keine Einkommensanrechnung

Der Bildungskredit wird unabhängig vom eigenem Einkommen oder dem von Eltern/Ehepartner vergeben. Auch spielen die Vermögenswerte, BAföG-Bezug, Stipendien oder Krankheiten keine Rolle bei der Vergabe. So kann ein Bildungskredit auch dann beantragt werden, wenn beispielsweise keine BAföG-Berechtigung vorliegt. Da keine Bonitätsprüfung erfolgt, sind eventuell bestehende Schufa-Einträge kein Hindernis.

Ist der Bildungskredit einmal bewilligt, muss der Kreditnehmer keinen weiteren Nachweis über seine Leistungen erbringen.