Elternunabhängiges BAföG ist eher die Ausnahme als die Regel, die Voraussetzungen sind eng definiert. Sie betreffen Studenten, die nach fünfjähriger Erwerbstätigkeit mit dem Studium beginnen und BAföG beantragen oder wenn nach einer Berufsausbildung plus Erwerbstätigkeit mindestens sechs Jahre vergangen sind. Auch wer die Hochschulreife auf der Abendschule (zweiter Bildungsweg) erwirbt oder bei Studienbeginn über 30 Jahre alt ist, kann unter Umständen elternunabhängiges BAföG beantragen. Sonderfälle sind unbekannt verzogene oder verstorbene Eltern sowie die Vorausleistung des BAföGs, wenn die Eltern die Unterhaltszahlung verweigern.

Grundsätzliches zum elternunabhängigen BAföG

BAföG ist grundsätzlich vom Einkommen der Eltern oder eines Ehepartners abhängig, diese Personen haben gegenüber dem Studierenden eine Unterhaltsverpflichtung. Daher ist das Einkommen der Eltern oder des Ehepartners zu überprüfen, nach bestimmten Freigrenzen errechnet sich dann das BAföG. Ausnahmen von dieser Regel legt der § 11 Absatz 3 BAföG fest. Die Sonderregelung zum unbekannten Aufenthaltsort der Eltern oder ihrer Verhinderung, im Inland den nötigen Unterhalt zu leisten, findet sich im § 11 Absatz 2a BAföG.

Ob elternunabhängiges BAföG möglich wäre, prüft das BAföG-Amt automatisch, wenn der Lebenslauf des Antragstellers vorliegt. Aus diesem Grund sollten Ausbildungs- und Erwerbszeiten lückenlos durch Zeugnisse und Lohnsteuerkarten belegt werden. Lediglich auf den Fall der unbekannt verzogenen Eltern müssen die Antragsteller das BAföG-Amt hinweisen.

Elternunabhängiges BAföG bei Erwerbstätigkeit vor Studienbeginn

Wenn Studienanfänger eine Erwerbstätigkeit hinter sich haben, gibt es zwei Varianten, warum sie elternunabhängiges BAföG erhalten.
Variante 1: vor dem Studium 5 Jahre Erwerbstätigkeit zwischen der Volljährigkeit und dem Studienbeginn, wobei die 5 Jahre nicht zusammenhängen müssen. Es kann sich um Voll- und Teilzeit, selbstständige und unselbstständige Tätigkeiten gehandelt haben. Ausbildungszeiten bleiben dabei – unabhängig vom Ausbildungsentgelt – unberücksichtigt.

Die Teilzeitbeschäftigung neben der Ausbildung wird angerechnet, Ferientätigkeiten aber nicht. Mit dem Verdienst muss der eigene Lebensunterhalt bestritten worden sein. Als monetäre Grenze dafür gilt ein Bruttoeinkommen von 120% zum damals (während der Erwerbstätigkeit) geltenden BAföG-Bedarfssatzes. Seit August 2008 gehen die Ämter von 614 Euro aus, dennoch muss für den Antrag beim zuständigen BAföG-Amt nachgefragt werden.

In die fünfjährige Erwerbstätigkeit von Studienbeginn fällt auch Kinderbetreuung von unter 10-jährigen Kindern, Dienst bei der Bundeswehr, das freiwillige soziale Jahr, Krankheitszeiten während eines Beschäftigungsverhältnisses, Mutterschutz, Zeiten der Erwerbsunfähigkeit und Arbeitslosigkeit (nicht ALG II), wenn in solchen Zeiten keine BAföG-förderfähige Ausbildung absolviert wurde. Ebenfalls werden berufliche und medizinische Reha-Zeiten berücksichtigt. Die Antragsteller dürfen vor dieser fünfjährigen Erwerbszeit nicht schon einmal als Studenten eingeschrieben gewesen sein, es sei denn, es lag ein doppelter Perspektivwechsel (Studienabbruch) vor.

Variante 2: Berufsausbildung mit anschließender, mindestens dreijähriger Erwerbstätigkeit bei einer Gesamtdauer beider Phasen von mindestens sechs Jahren. Die Reihenfolge muss in dieser Form vorliegen (erst Ausbildung, dann Erwerbstätigkeit). Die Erwerbstätigkeit muss mindestens drei Jahre oder länger betragen haben, die Ausbildungszeit kann kürzer ausgefallen sein.

Zweiter Bildungsweg für die Hochschulreife

Beim Erwerb der Hochschulreife auf Kollegs (kein Berufskolleg) oder Abendgymnasium wird grundsätzlich elternunabhängiges BAföG gezahlt, wenn die Zielstellung dieser Ausbildung ausschließlich das Abitur ist. Für die
Oberstufe an Berufsoberschulen in Baden-Württemberg, die
Berufsoberschulen in Bayern und die
Klassen 13 der niedersächsischen Berufsoberschulen
gilt das Gleiche. Wer elternunabhängiges BAföG für das Abitur erhält, muss es nicht automatisch auch für das anschließende Studium erhalten, hier gelten andere Voraussetzungen.

Vollwaisen oder unbekannter Wohnort der Eltern

Vollwaisen erhalten selbstverständlich elternunabhängiges BAföG, ihre Waisenrente wird dabei als Einkommen angerechnet, wenn es den Freibetrag übersteigt. Sollte der Aufenthaltsort und damit das Einkommen der Eltern nicht zu ermitteln sein, muss der Antragsteller gegenüber dem BAföG-Amt schriftlich erklären, dass er/sie den Aufenthaltsort der Eltern und auch keine weiteren Kontaktpersonen kennt sowie keinen Unterhalt bezieht.