Mit der Differenzierung zwischen dem üblichen BAföG und dem Schüler-BAföG möchte die Gesetzgebung keinesfalls eine strikte Trennung zwischen Studierenden an Hochschulen und Auszubildenden an anderen Schularten erreichen. Ob man Anspruch auf Schüler-BAföG hat, hängt unter anderem davon ab, welche Schulart man besucht. Aber auch hier werden die Leistungen des BAföGs noch differenziert. Während Auszubildende an Akademien oder höheren Fachschulen durch das Schüler-BAföG ähnlich behandelt werden wie Studierende an Universitäten, gelten für Auszubildende an anderen Schulen auch andere Maßstäbe.

Möglichkeit der elternunabhängigen Förderung

Grundsätzlich werden die Regelungen für das Studierenden-BAföG bzgl. der Anrechnung des eigenen Einkommens gemäß §§ 21 ff. BAföG und die des Vermögens gemäß § 26 ff. BAföG analog auf das Schüler-BAföG angewendet. Also mindern auch hier eigenes Vermögen oder Einkommen, unter anderem aber auch das eines Ehegatten oder der Eltern, den eigenen Anspruch auf Schüler-BaföG.

Unter gewissen Umständen ist aber auch die Förderung durch elternunabhängiges BAföG möglich. Es gibt gewisse Sonderfälle bei denen das Elterneinkommen nicht ausschlaggebend für die Förderung ist – vor allem ist hier der Erwerb des Abiturs auf dem zweiten Bildungsweg (auf einer Abendschule oder einem Kolleg) zu erwähnen.

Aber auch wenn andere Voraussetzungen gegeben sind, kann eine Förderung durch elternunabhängiges BAföG möglich sein, z. B. dann wenn der Auszubildende bei Beginn der Ausbildung das 30. Lebensjahr bereits vollendet hat. Allerdings ist hier zu beachten, dass hier erklärt werden muss, warum eine förderungsfähige Ausbildung nicht bereits vorher begonnen wurde. Solche Gründe können u. a. eine Schwangerschaft, Erkrankung oder Behinderung, Erziehung von Kindern unter 10 Jahren oder eine mindestens 8-jährige Verpflichtung bei der Bundeswehr sein.

Auch Vollwaisen oder Auszubildende, deren Eltern unbekannt verzogen sind oder deren Eltern sich im Ausland aufhalten, haben Anspruch auf elternunabhängiges BAföG. Faktoren können aber auch eine mindestens fünfjährige Berufstätigkeit (ohne Ausbildung) nach Vollendung des 18. Lebensjahres oder eine dreijährige Berufsausbildung mit anschließender dreijähriger Berufstätigkeit sein.

Schulformen, für die Schüler-BAföG gezahlt wird

Wie eingangs bereits erwähnt, ist es beim Schüler-BAföG vor allem ausschlaggebend, welche Schulform besucht wird. Zusätzlich kommt es oftmals darauf an, ob der Auszubildende noch bei den Eltern wohnt oder bereits einen eigenen Haushalt führt.

Grundsätzlich keinen Anspruch auf Schüler-BAföG haben Schüler, die bei den Eltern wohnen, und die Oberstufe eines Gymnasiums oder aber auch die Fachoberschule besuchen möchten. Sobald der Schüler allerdings bereits einen eigenen Haushalt begründet hatte bevor die Ausbildung begann, die Wohnung der Eltern zu weit weg vom Ausbildungsort ist oder er bereits verheiratet oder geschieden ist, bzw. eigene Kinder zu betreuen hat, entsteht für ihn dadurch ein Anspruch auf Schüler-BAföG. Sollte für eine Ausbildung wegen der genannten Umstände kein BAföG-Anspruch bestehen, kann der Auszubildende aber unter Umständen einen Anspruch auf Zahlung von ALG II (Hartz IV) nach § 7 Abs. 6 Nr. 1 SGB II haben.

Förderungsfähig sind auch Ausbildungen an Berufsfachschulen, Fachschulen, Kollegs, Akademien, Berufsaufbauschulen, höhere Fachschule (Fachhochschule) und dem Berufskolleg.
Hier kommt es nicht darauf an, ob der Auszubildende noch bei den Eltern, oder bereits allein wohnt. Es ist insbesondere nicht notwendig, dass der Auszubildende begründet, warum er nicht mehr im Elternhaus wohnt. Diese Regelung wurde am 21.04.2010 vom Bundestag beschlossen und ist Teil der 23. BAföG Novelle. Das Kolleg und das Berufskolleg dürfen allerdings nicht miteinander verwechselt werden, denn beim Berufskolleg steht der Erwerb des Abiturs nach mehrjähriger beruflicher Tätigkeit im Vordergrund. Beide unterliegen jedoch keinen weiteren Förderungsvoraussetzungen.

Beim Abendgymnasium ist eine Schüler-BAföG-Förderung nur während der letzten drei Halbjahre möglich, in denen die Schule Vollzeit besucht wird. Hier besteht vorher aber auch die Möglichkeit Leistungen nach dem SGB II (ALG II) zu beantragen.

Auch förderbar sind zumindest teilweise der Besuch der Abendhauptschule, Abendrealschule und der Fachoberschule. Hier ist die Förderung allerdings nur im letzten Jahr vor dem Abschluss möglich.

Relevanz des eigenen Haushaltes und der Entfernung zur Ausbildungsstätte

Wie bereits erwähnt, kommt es bei einigen Schulen darauf an, ob der Auszubildende noch bei den Eltern wohnt, oder einen eigenen Haushalt begründet hat, bzw. wie weit das Elternhaus von der Ausbildungsstätte entfernt ist.

Für gewöhnlich wird davon ausgegangen, dass ein Auszubildender ohne bisherige Berufsausbildung bis zur Vollendung seiner Ausbildung bei den Eltern wohnt, außer es liegen besondere Umstände vor. So ein Umstand kann eben die Entfernung zum Ausbildungsort sein. Allerdings soll es hier nicht um eine frei gewählte Ausbildungsstätte gehen, sondern um die, die vom Elternhaus am leichtesten zu erreichende, die das gewünschte Berufsziel ausbildet. Der Weg vom Elternhaus zum Ausbildungsort ist dann zu weit entfernt, wenn der Auszubildende mindestens an 3 Wochentagen eine längere Zeit als 2 Std. für den Hin- und Rückweg insgesamt aufgewendet hat. Auch Wartezeiten und Fußwege können hier in Ansatz gebracht werden.

Übrigens besteht ein eigener Haushalt erst dann, wenn der Auszubildende neben der eigenen Wohnung auch über eigene Haushaltsutensilien verfügt, dazu gehört vor allem eine (nicht nur provisorische) Kochgelegenheit. Ein möbliertes Zimmer wird so oftmals nicht als eigener Haushalt anerkannt. Anders hingegen ist es bei Wohngemeinschaften. Diese gelten im Regelfall als eigener Haushalt.

Fachrichtungswechsel bzw. Ausbildungsabbruch

Zum Fachrichtungswechsel oder Studienabbruch ist in § 7 Abs. 3 BAföG Folgendes geregelt: „Hat der Auszubildende aus wichtigem Grund oder aus unabweisbarem Grund die Ausbildung abgebrochen oder die Fachrichtung gewechselt, so wird Ausbildungsförderung für eine andere Ausbildung geleistet; bei Auszubildenden an Höheren Fachschulen, Akademien und Hochschulen gilt Nummer 1 nur bis zum Beginn des vierten Fachsemesters.“

Das heißt, dass ein Fachrichtungswechsel bei allgemeinbildenden Schulen und berufsqualifizierenden Schulen ohne Probleme möglich ist und auch für die neue Fachrichtung Schüler-BAföG geleistet wird. Schüler-BAföG wird grundsätzlich bis zum Erreichen eines berufsqualifizierenden Abschlusses gezahlt. Daher geht auch kein Teil der Höchstförderungsdauer verloren, wie es beim Studenten-BAföG der Fall ist. Zwar muss ein wichtiger oder unabweisbarer Grund gegeben sein aber es wird hier meist davon ausgegangen, dass ein solcher vorliegt. Solche Gründe können beispielsweise ein Neigungs- oder Interessenwechsel sein. Ein unabweisbarer Grund hingegen wäre beispielsweise eine Behinderung oder chronische Krankheit, die das Ausüben des späteren Berufes unmöglich machen würde.

Schwieriger gestaltet sich der Fachrichtungswechsel an höheren Fachschulen und Akademien. Eine Weiterförderung ist hier nur möglich, wenn der Wechsel spätestens nach dem 3. Semester stattfindet.

Meist keine Erforderlichkeit von Leistungsnachweisen

Ein weiterer Unterschied zwischen regulärem BAföG und Schüler-BAföG ist, dass hier keine Leistungsnachweise erbracht werden müssen. Aber wie immer gibt es auch hier Ausnahmen: Bei einer Ausbildung an höheren Fachschulen und Akademien werden Leistungsnachweise erwartet.

Förderungshöchstdauer

Beim Schüler-BAföG gibt es keine konkrete Förderungshöchstdauer wie beim Studenten-BAföG. Hier wird regulär davon ausgegangen, dass der Fortschritt der Ausbildung automatisch durch die Anwesenheitspflicht in der Schule eintritt. Daher wird im Regelfall die Förderung bis zum Abschluss der Ausbildung gewährt. Allerdings sind die unterrichtsfreien Tage auf 77 pro Jahr begrenzt. Sind die Ferien länger, wird die Förderung für je 26 angefangene Ferienwerktage um einen Monat gekürzt.

Förderung eines Praktikums

Generell ist die Förderung von Praktika nicht vorgesehen aber ein Praktikum kann gem. § 14 BAföG gefördert werden, wenn es zwingend vorgeschrieben ist. Allerdings müssen die Voraussetzungen für das Schüler-BAföG, wie oben beschrieben, unverändert vorliegen.

Örtliche Zuständigkeit des BAföG-Amts

Der Antrag beim Schüler-BAföG ist genau wie bei dem Studierenden-BAföG an ein Amt für Ausbildungsförderung zu richten. Welches Amt das zuständige ist, hängt davon ab, ob beide Eltern des Auszubildenden zusammenleben. Ist dies gegeben. Ist das Amt für Ausbildungsförderung in dem Landkreis zuständig, in dem die Eltern ihren Wohnsitz haben. Wenn die Eltern in verschiedenen Landkreisen leben, wird das Schüler-BAföG bei dem BAföG-Amt beantragt, welches für den Ort der Ausbildungsstätte zuständig ist.